SCHAFFT DEN WINTER AB! – *KONSUMKAISER*


Ja, ja, ich weiß, unterschiedliche Jahreszeiten braucht man, weil man dann den Lauf des Lebens besser erkennt, die jeweils andere Jahreszeit mehr zu schätzen weiß, und so weiter. Trotzdem: Ich bin sehr dafür den Winter weitestgehend abzuschaffen. Und zwar sofort!

 

 

Zu Weihnachten, für ein paar verschneite, ruhige Tage. Ja, da kann ich mich mit dem Winter, den man sich gemeinhin zu diesem Zeitpunkt so vorstellt, durchaus anfreunden. Ein paar Tage Schnee, diese weiß-weiche Stille, die herrscht, wenn  sich der Zuckerguss zärtlich auf das Land legt. Dann kann ich es auch genießen.

Doch die Realität sieht leider meist ganz anders aus: Jedes Jahr überforderte Großstädte und Großstädter, die bei den ersten Schneeflocken die Hände über den Kopf werfen und um Hilfe schreien. Aus den stolzen Flocken, die wie Zuckerwatte vom Himmel schweben, werden im Handumdrehen Matsch und Schlamm, die die Schuhe und Hosenbeine klamm werden lassen, und aus Autos fahrende Zombies mit zwei verdüstert leuchtenden Augen machen, die sich zu blechernen Lawinen in den stinkenden Straßen türmen.

Die Welt im Winter kann grau sein, wenn es der Winter aber ernst meint und die Temperaturen fallen, wie der Schnee, dann erlebt man die Untiefen dieser zum Seelenzustand gewordenen Nicht-Farbe – jedenfalls dort wo die meisten von uns leben, in den Ballungsräumen.

Schwenk zum Frühling: Hier erblüht das Leben, alle und alles bekommt Lust auf Erneuerung, Fortpflanzung, Aktivität und Schaffensdrang.

Der Winter dagegen ist lebensfeindlich, die Kälte erstickt jeglichen Sturm und Drang, nicht umsonst hält so manch schlaues Tier tiefsten Winterschlaf.

Ja, man kann den Winter mögen, aber doch nicht monatelang? Wer liebt schon dicke Kleidung, die man sich in einer mühevollen Prozedur Tag um Tag auf den Leib schmieden muss, bis die verschiedensten Stoffschichten uns den Umfang eines stattlichen Schneemanns verleihen.

Wie sehr muss man seinen Körper verachten, um ihn dermaßen verhüllen zu wollen, bis man ihn im Frühling endlich wieder auspacken darf, und entsetzt feststellt, dass man sich vor lauter kuscheligem Einmummeln auf dem Sofa mit Gebäck und Tee samt Kandis doch lieber wieder in den Winter mit seinen den Pölsterchen schmeichelnden Schlabberpullovern und umgehängten Ponchos zurückwünscht.

Das fehlende Licht gibt mir dann noch den Rest. Um 17 Uhr fühle ich mich im Winter, als müsste ich auf der Stelle zu Bett gehen. Nur mit größter Selbstbeherrschung und Streichhölzern zwischen Ober- und Unterlid schaffe ich es bis zum Abend. Und zur Schlafenszeit falle ich wie vom Fließband geplumpst mutlos in mein Bett und denke mit wachsendem Grauen daran, dass das Weckerklingeln näher und näher kommt.

Gerade im Winter ist das Aufstehen am frühen Morgen eine wahre Zumutung. Die Temperaturen fühlen sich nochmals ungefähr 10 Grad kälter an, als sie es eh schon sind. Die Dunkelheit ist dunkler als dunkel, und ich habe manchmal das Gefühl, dass die Erde einfach nur von einem schwarzen Loch geschluckt wurde, das jegliches Licht, jegliche Energie in sich hinein saugt. Ich könnte es schwören.

Doch wenn man so dermaßen den Winter verabscheut, warum ergibt man sich so lemminghaft dem Schicksal?

Nun, tue ich gar nicht. Ich habe Pläne. Auswandern. Ins Warme. Viel hält mich hier zudem nicht.

Die Pläne sind gut durchdacht, Jobs bereits geregelt, Kontakte zu spanischen Maklern und Behörden sind geknüpft, es könnte eigentlich fast schon im Januar (wäre ja gerade noch rechtzeitig) losgehen.

Aber man hat doch auch Verantwortung und Verpflichtungen. Und zudem ist man kein Hallodri, der einfach mal auf Gut Glück auswandert, um dann als gescheiterte Existenz nach einiger Zeit zurückzukehren. Gut Ding braucht Weile. Ja, das muss ich mir jeden Tag aufs Neue sagen. Zuspruch soll ja helfen.

Schwierig ist es auch eine nun bereits 83-jährige Mutter zum Mitkommen zu bewegen. Nein, eigentlich nicht, denn sie würde sich tatsächlich freuen, das hat mich sehr gerührt. Trotzdem muss das besser geplant sein, als das eigene Umsiedeln. Verantwortung, ich habe es ja erwähnt.

Ich bin mal gespannt, der Zeitpunkt steht zwar noch nicht völlig fest, aber ich werde es tun: Für mich persönlich den Winter abschaffen! Und sollte ich ihn doch vermissen, dann buche ich mir eine nette Woche in einem Iglu in Grönland.

 

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(Foto: Konsumkaiser, Pixabay.  Keinerlei Sponsoring)

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